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Frühlingskonzert 2023

Sonntag, 14. Mai 2023, 17 Uhr, Kirche Blumenstein
Mit den idyllischen, leichten, doch zuweilen auch feurig stürmischen und melancholischen Klängen des Streichquartetts von Juan Crisóstomo Arriaga wird das Frühlingskonzert eröffnet, musikalisch stimmungsvoll und launisch wie das Frühlingswetter. Turina entführt uns mit dem Klavierquintett und der Escena andaluza ins tiefe Spanien. Wir lauschen einem Liebesständchen, mal zärtlich, mal voller Leidenschaft und emotionaler Ausdruckskraft. Mit César Franck’s Klavierquintett schliessen wir mit grossem Schwung den Abend ab.

Programm

Juan Crisóstomo de Arriaga (1806 – 1826)
Streichquartett Nr.3 in Es-Dur
  1. Allegro
  2. Andantino- Pastorale
  3. Menuetto
  4. Presto agitato
Joaquín Turina (1882-1949)
Klavierquintett in g-Moll, Op.1
  1. Fuga lenta
  2. Animé
  3. Andante - Scherzo
  4. Finale
Joaquín Turina (1882-1949)
Escena andaluza Op.7
  1. Crepusculo serenata
  2. A la ventana
César Franck (1822 - 1890)
Klavierquintett in f-Moll
  1. Molto moderato quasi lento
  2. Lento con molto sentimento
  3. Allegro non troppo ma con fuoco

Mit den idyllischen, leichten, doch zuweilen auch feurig stürmischen und melancholischen Klängen des Streichquartetts Nr. 3 in Es-Dur von Juan Crisóstomo de Arriaga wird das Frühlingskonzert eröffnet. Arriaga, ein spanischer Komponist des frühen 19. Jahrhunderts, auch als «spanischer Mozart» bekannt, zeigt bereits in sehr jungen Jahren aussergewöhnliches musikalisches Talent als Geiger und Komponist und verfasst trotz seines kurzen Lebens doch ein umfangreiches Œuvre. Sein Werk ist von den klassischen Meistern stark geprägt, obschon sich auch Elemente romantischer Harmonien erkennen lassen. Die drei Streichquartette, die 1822 bis 1824 entstanden, zählen zu seinen bedeutendsten Werken. Das Streichquartett Nr. 3 in Es-Dur ist nach dem klassischen Ideal in vier Sätze aufgebaut: Auf den Einstieg mit einem eleganten und majestätischen, doch feurigen Allegro folgt ein zartes, lyrisches Pastorale; ein brodelndes stürmisches Gewitter unterbricht die Idylle auf dem Lande, aber nur kurz, schon folgt das Menuett. Ein wilder, düsterer und melancholischer dritter Satz, dem das Trio einen kurzen melodischen Moment entgegensetzt, bevor das Streichquartett energiegeladen in ein virtuoses, brillantes Finale gipfelt. Das Quartett zeigt Arriagas meisterhaftes Verständnis für Kontrapunkt und seine Fähigkeit, eine Fülle von musikalischen Ideen in ein kompaktes und doch ausdrucksstarkes Werk zu integrieren.

Hauptgast des Abends, wie auch der ganzen Saison, ist der spanische Komponist Joaquín Turina, geboren 1882 in Sevilla. Wie die meisten Komponisten seiner Zeit, liess er sich für seine musikalische Ausbildung in Paris nieder, wo er bei Moritz Moszkowski Klavier- und bei Vincent d’Indy Kompositionsunterricht genoss. Vor allem seine frühen Werke sind vom französischen Impressionismus geprägt. Sie zeigen deutlich Einflüsse von César Franck. Der Lehrer von Turina war ein Schüler von Franck. In seinem ersten Opus, dem Klavierquintett Nr. 1, sticht primär der formale Aufbau ins Auge, der alles andere als traditionell daherkommt: Dem üblichen Allegro stellt Turina eine Fuga lenta voran, der langsame Satz und das Scherzo verschmelzen, und das Finale präsentiert sich als ein spektakuläres Rondo. An der Uraufführung 1907 anwesend waren auch seine Landsleute Isaac Albéniz und Manuel de Falla. Eine augenöffnende Unterhaltung an dem Abend soll Turina dazu bewogen haben, seine musikalische Inspiration in Zukunft hauptsächlich der Folklore seiner Heimat zu entlehnen. Die nur wenig später komponierte Escena andaluza Op. 7 für Klavier, Viola und Streichquartett zeigt den südspanischen Einfluss bereits unverkennbar. Der erste Teil Crépuscule de Soir, in der Dämmerung, wird vom Klavier mit einem bewegenden, kraftvollen, kurzen Prélude eröffnet, das danach von der Bratsche übernommen wird; die begleitenden Pizzicati der tiefen Streicher erinnern an spanische Gitarrenklänge. Im zweiten Teil A la Fenêtre finden wir uns an einem Fenster wieder und lauschen einem Liebesständchen, einmal zärtlich, einmal voller Leidenschaft und emotionaler Ausdruckskraft.

Das 1879 komponierte Klavierquintett in f-Moll von César Franck bildet den Auftakt einer Reihe bedeutender Spätwerke des Komponisten. Dass er sich nach einer 25-jährigen Pause wieder der Kammermusik widmet, ist wohl den Pariser Konzerten der Société Nationale de Musique zu verdanken, an denen viele Kammermusikwerke von Komponisten wie Lalo, Fauré oder Saint-Saëns uraufgeführt werden. Mit seinem dichten, zyklischen Aufbau und seiner komplexen Harmonik vermochte das Quintett Komponistenkollegen, Kritiker und Publikum zu überzeugen – Debussy beschrieb es als «die wahre Musik». Das Werk gehört bis heute zu den wichtigsten Werken Francks.

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