
Sommerkonzert 2026
Sonntag, 23. August 2026, 17 Uhr Uhr, Kirche BlumensteinMusiker
- Pablo Hernán Benedí, Violine
- Mikayel Zakaryan, Violine
- Hannes Bärtschi, Viola
- Mirjana Reinhard, Cello
- Aljaž Cvirn, Guitarre
Programm
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Gaetano Brunetti (1744-1798)
Streichtrio in G-Dur Op.3 No.6- Allegro
- Larghetto
- Allegro non molto
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Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)
Streichquartett Nr.19 in C-Dur, K.465- Adagio
- Andante cantabile
- Menuetto - Allegretto
- Allegro molto
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Mario Castelnuovo-Tedesco (1895 - 1968)
Sonate für Gitarre solo "Omaggio a Boccherini" Op.77- Allegro con spirito
- Andantino, quasi canzone
- Tempo di Minuetto
- Vivo ed energico
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Luigi Boccherini (1743-1805)
Gitarenquintett in D.Dur, G.448 "Fandango"- Pastorale
- Allegro maestoso
- Grave assai
- Fandango
Madrid, spätes 18. Jahrhundert. Am spanischen Hof begegnen sich zwei Welten: die elegante Kammermusiktradition Italiens und das vibrierende Musikleben der Iberischen Halbinsel, volkstümlich, rhythmisch, voller Farbe. Luigi Boccherini lebte Jahrzehnte in diesem Umfeld, und seine Musik ist ohne diesen Kontext nicht zu denken. Das Sommerprogramm erkundet diese Klangwelt durch Zeitgenossen, durch Wien, durch das 20. Jahrhundert, und immer wieder durch Boccherini selbst.
Weniger bekannt als sein Zeitgenosse Boccherini, war Gaetano Brunetti ebenfalls über Jahrzehnte am spanischen Hof tätig. Sein Streichtrio in G-Dur op. 3 Nr. 6 entstammt jenem produktiven Umfeld des Madrider Hoflebens, in dem Kammermusik nicht nur komponiert, sondern täglich gelebt wurde. Brunettis Trios stehen exemplarisch für den galanten Stil dieser Epoche: klare Melodik, feine Dynamik, ausgewogene Stimmführung. Was ihn von seinen Zeitgenossen unterscheidet, sind überraschende harmonische Wendungen und abrupte Charakterwechsel, die seinen Werken eine eigene, unverwechselbare Lebendigkeit verleihen und zeigen, dass hinter der höfischen Eleganz ein Komponist mit ausgeprägter individueller Handschrift steckt.
1785 abgeschlossen und Joseph Haydn gewidmet, gilt Mozarts Streichquartett in C-Dur KV 465 als eines seiner kühnsten kammermusikalischen Werke. Schon die langsame Einleitung irritiert: schwebende Dissonanzen, chromatische Eintrübungen, ein Spiel zwischen Dur und Moll, das die Hörerwartung systematisch unterläuft. Mozart selbst verteidigte die Passage gegen Kritiker, sie sei bewusst so gesetzt. Ein ungarischer Fürst zerriss wutentbrannt die Noten seiner Musiker, ein italienischer Verleger sandte die Quartette als fehlerhafte Drucke zurück, und ein Kritiker bescheinigte Mozart «mit Eisen ausgekleidete Ohren». Haydn hingegen, dem das Werk gewidmet war, soll schlicht geantwortet haben: «Da Mozart es so geschrieben hat, wird er seine Gründe gehabt haben.» Im Folgenden verbindet sich diese harmonische Kühnheit mit struktureller Klarheit, die eindrücklich zeigt, wie expressive Tiefe und formale Eleganz einander nicht ausschliessen, sondern bedingen.
Den Blick ins 20. Jahrhundert wirft die Sonate für Gitarre solo «Omaggio a Boccherini» von Mario Castelnuovo-Tedesco. Der italienische Komponist greift historische Formen und Gesten Boccherinis auf und überführt sie in eine moderne Tonsprache, als Hommage und eigenständige Schöpfung zugleich. Die Gitarre ist dabei das ideale Medium: als Instrument eng mit der spanischen Musiktradition verbunden, trägt sie tänzerische Anklänge, kantable Linien und eine Harmonik, die zwischen gestern und heute schwebt.
Den Abschluss bildet Boccherinis Gitarrenquintett in D-Dur G 448, bekannt als «Fandango». Die Besetzung ist so ungewöhnlich wie bezeichnend: Ein klassisches Streichquartett wird um die Gitarre erweitert, jenes Instrument, das Castelnuovo-Tedesco in seiner Hommage bereits ins Zentrum gerückt hatte, und das hier bei Boccherini selbst seinen Ursprung findet. Die Gitarre war kein Fremdkörper in diesem Klangumfeld, sondern tief verwurzelt im höfischen wie im volkstümlichen Musikleben der Halbinsel. Im berühmten Finalsatz entlädt sich all das in einem Fandango: mitreissende Rhythmen, perkussive Effekte, eine fast improvisatorische Energie. Höfische Eleganz und südliches Temperament finden hier ihre wohl schönste Verbindung.