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Herbstkonzert 2026

Sonntag, 25. Oktober 2026, 17 Uhr Uhr, Kirche Blumenstein
Im Herbstkonzert lassen wir uns von den besonderen Klangfarben zweier Streichquintette verzaubern. Luigi Boccherini gilt als Erfinder des Streichquintetts in der Besetzung mit zwei Violoncelli. Auch Franz Schubert griff diese Form auf und schuf ein unvergleichliches Werk voller emotionaler Tiefe und Schönheit. Abgerundet wird das Programm durch Ludwig van Beethovens Streichtrio in D-Dur. Zu Gast sind unter anderem die bekannte Geigerin Muriel Cantoreggi sowie der ehemalige Solocellist des Tonhalle-Orchesters Zürich, Thomas Grossenbacher.

Musiker

Programm

  • Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
    Streichtrio in D-Dur Op.9 No.2
    1. Allegretto
    2. Andante quasi allegretto
    3. Minuet - Allegretto
    4. Trio
    5. Rondo - Allegro
  • Luigi Boccherini (1743-1805)
    Streichquintett in C-Dur "La musica notturna delle strade di Madrid"
    1. Il campane quando suonano l'Ave Maria
    2. Il tamburo del quartier dei soldati
    3. Minuetto dei ciechi
    4. Il rosario: Largo assai
    5. "Los manolos". Modo di suono, e canto
    6. Allegro vivo
    7. Ritirata - Maestoso
  • Franz Schubert (1797 – 1828)
    Streichquintett in C-Dur D 956
    1. Allegro ma non troppo
    2. Adagio
    3. Scherzo. Presto
    4. Allegretto

Über hundert Streichquintette hat Luigi Boccherini geschrieben. Eine Zahl, die für sich spricht, und die zeigt, wie sehr diese Gattung dem Kern seines musikalischen Denkens entsprochen haben muss. Das Streichquintett ist eine seltenere, intimere Welt als das Quartett: Fünf Stimmen, die mehr Raum eröffnen, mehr Klangfarben erlauben, mehr Möglichkeiten des Dialogs. Boccherini hat diese Möglichkeiten ein Leben lang ausgelotet. Das Herbstkonzert stellt ihn in einen Dialog mit Beethoven und Schubert: drei Komponisten, drei Weltanschauungen, drei grundverschiedene Vorstellungen davon, was entsteht, wenn fünf Streicher miteinander ins Gespräch treten, von der höfischen Eleganz des 18. Jahrhunderts bis zur existenziellen Tiefe der Romantik.

Ludwig van Beethovens Streichtrio in D-Dur op. 9 Nr. 2, entstanden 1797/98, markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Gattung. Das Streichtrio hatte bis dahin vor allem die gesellige Funktion des Divertimentos erfüllt; Beethoven zieht es in den Bereich anspruchsvoller Konzertkammermusik. D-Dur galt traditionell als festliche, ja heitere Tonart, doch dieses Trio wirkt ernster und herausfordernder, als die Tonart vermuten lässt. Die vier Sätze durchlaufen eine bemerkenswerte emotionale Spanne: Das eröffnende Allegretto ist von einem stark lyrischen Impuls geprägt, doch die unablässige Begleitung verleiht dem Satz eine rastlose Atmosphäre. Der langsame Satz in d-Moll ist vielleicht der traurigste Moment des gesamten Opus, bevor Menuetto und Rondo die Spannung wieder lösen. Die Stimmen sind gleichberechtigt, das Material wird konsequent verarbeitet und weiterentwickelt. Beethoven schrieb nach nach den Opus 9 Trios keine weiteren Streichtrios mehr, die Gattung hatte für ihn ihren Zweck erfüllt, und das Streichquartett wartete.

Im Zentrum des Konzerts steht Boccherinis Streichquintett in C-Dur. Die Besetzung mit zwei Violoncelli entstand fast zufällig: Das Font-Streichquartett, das bereits am Madrider Hof tätig war, als Boccherini dazustiess, liess ihm keine andere Wahl. Doch die Besetzung entsprach ihm perfekt, sie verkörpert jene Überzeugung, die sein gesamtes Schaffen durchzieht, nämlich dass das Cello mehr zu sagen hat als ein Bassinstrument. Es übernimmt melodische Aufgaben, verleiht dem Ensemble Wärme und Tiefe, tritt gleichberechtigt neben die Oberstimmen. Boccherinis Quintette sind keine dramatischen Entwicklungsverläufe; sie sind, wie er selbst die Kammermusik verstand, Musik des feinen Hinhörens, des Verweilens, der «douceur», der Süsse. In dieser scheinbaren Leichtigkeit liegt eine hohe Kunst.

Franz Schuberts Streichquintett in C-Dur D 956 entstand im September 1828, wenige Wochen vor dem Tod des Komponisten, und greift bewusst auf jene Klangwelt zurück, die Boccherini über Jahrzehnte geprägt hatte. Das Werk beginnt mit einem gehaltenen Akkord, der sich in melodische und rhythmische Fragmente entfaltet, ein erster Hinweis auf eine Bewegung von grosser Weite und Vorstellungskraft. Der erste Satz allein dauert länger als manche vollständigen Quartette Haydns. Das Adagio, eines von Schuberts seltenen Stücken in so langsamem Tempo, scheint die Zeit anzuhalten: Die drei Mittelstimmen tragen das Thema, die erste Violine fügt fragmentarische Ausbrüche hinzu, das zweite Cello pizzicato die Basis. Ohne Vorwarnung explodiert der Mittelteil leidenschaftlich in einer entfernt verwandten Tonart, bevor die sublime Eröffnung zurückkehrt. Das Scherzo reisst uns wieder auf den Boden, bevor das Finale mit ungarisch gefärbten Rhythmen und tänzerischer Energie abschliesst. Es ist ein Werk, das einen nicht loslässt, und das zeigt, wohin Kammermusik führen kann.

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