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Sommerkonzert 2017

Sonntag, 20. August 2017, 17 Uhr, Kirche Blumenstein

Programm

Claude Debussy (1862 - 1918)
Streichquartett in g-Moll, Op. 10
  1. Andantino con moto allegro
  2. Scherzo. Moderato con allegro
  3. Andante espressivo
  4. Finale. Appassionato
Sergei Prokofiev (1891 - 1953)
Fünf Melodien, Op. 35b
  1. Andante
  2. Lento
  3. ma non troppo
  4. Animato
  5. ma non allegro
  6. Allegretto leggero e scherzando
  7. Andante non troppo
Olivier Messiaen (1908 – 1992)
Quatuor pour la fin du temps
  1. Liturgie de cristal
  2. Vocalise
  3. pour l'Ange qui annonce la fin du temps
  4. Abîme des oiseaux
  5. Intermède
  6. Louange à l'Éternité de Jésus
  7. Danse de la fureur
  8. pour les sept trompettes
  9. Fouillis d'arcs-en-ciel
  10. pour l'Ange qui annonce la fin du temps
  11. Louange à l'Immortalité de Jésus

In seinem Quartett bemüht sich Debussy, die unglaubliche harmonische Entwicklung seiner musikalischen Sprache seit der Komposition des Trios und den Wunsch nach grossen Klanggebäuden, der die stark von César Franck beeinflusste junge französische Schule in dieser Zeit prägt, zu einer Synthese zusammenzufassen. Tatsächlich ist das Quartett eine Synthese zwischen einer klassischen Form mit einem strengen Aufbau und neuartigen Sonoritäten, welche für diese Besetzung noch unerforschte Klangfarben und Strukturen ermöglicht. Das Quartett entstand in einer entscheidenden Periode in Debussys Leben, ist es doch indirekt verbunden mit der Komposition zweier seiner wichtigsten Werken, die ihm den Weg zur Anerkennung ebnen. Tatsächlich nimmt er in dieser Zeit – er ist 31 Jahre alt – Prélude à l’Après-Midi d’un Faune (nach einem Gedicht von Mallarmé) in Angriff, und gleichzeitig entdeckt er Pelléas et Mélisande von Maurice Maeterlinck. Dieses Theaterstück erweist sich für Debussy als eine Offenbarung und wird ihm als Libretto für seine gleichnamige Oper dienen, ein Meisterwerk, das zehn Jahre später zu einem der Höhepunkte seiner Karriere wird.

Sechzehn Jahre nach der Uraufführung der Oper entdeckte der junge Olivier Messiaen die Partitur von Pelléas et Mélisande. Er beschrieb später die Entdeckung dieser Musik als einen «Coup de foudre» und gestand, dass sie ihn entscheidend beeinflusst habe. Das Quatuor pour la fin du temps, komponiert während des Zweiten Weltkriegs in einem Gefangenenlager in Görlitz, ist Messiaens wichtigstes Kammermusikwerk. Der Titel des Werks verweist auf die Offenbarung des Johannes, wo ein Engel vom Himmel kommt und mit erhobener Hand verkündet: «Es soll hinfort keine Zeit mehr sein, sondern in den Tagen, wenn der siebente Engel seine Stimme erheben und seine Posaune blasen wird, dann ist vollendet das Geheimnis Gottes». In der Einführung zum Werk beschreibt Messiaen kurz den Hintergrund der einzelnen Sätze des Quartetts. Hier einige Auszüge:
1. Liturgie aus Kristall. Zwischen 3 und 4 Uhr morgens das Erwachen der Vögel: eine Amsel und eine einzelne Nachtigall improvisieren hoch oben in den Bäumen, umgeben von klingendem Blütenstaub und von einem Lichthof aus verlorenen Trillern. 2. Vokalise für den Engel, der das Ende der Zeit verkündet. Am Klavier zarte Kaskaden aus Akkorden in Blau-Orange, die mit ihrem fernen Glockenklang den beinahe gregorianischen Choral von Geige und Cello umhüllen. 3. Abgrund der Vögel. Der Abgrund, das ist die Zeit mit ihrer Traurigkeit und Müdigkeit. Die Vögel sind das Gegenteil der Zeit. Sie sind unser Verlangen nach Licht, nach den Sternen und Regenbögen und nach jubilierenden Stimmen! 5. Lob auf die Ewigkeit Jesu. Eine grosse Phrase des Cellos, unendlich langsam, verherrlicht in Liebe und Ehrerbietung die Ewigkeit dieses mächtigen und süssen Wortes. 8. Lob auf die Unsterblichkeit Jesu. Der langsame Aufstieg der Geige zu extremer Höhe bedeutet das Aufsteigen des Gottessohnes zu seinem Vater, des vergöttlichten Geschöpfes zum Paradies.

Die Fünf Melodien Op. 35 von Sergei Prokofiev wurden ursprünglich als fünf Vokalisen für Mezzosopran und Klavier komponiert. Als der Komponist ein paar Jahre später beschloss, die fünf Stücke für Violine und Klavier zu bearbeiten, wandte er sich an den Violinisten Pawel Kochanski, den er die bahnbrechenden «Mythen» von Szymanowski hatte interpretieren hören und mit dem er schon für sein erstes Violinkonzert zusammengearbeitet hatte. Prokofiev war der Ansicht, dass die Instrumentalfassung, die sich aus der Zusammenarbeit mit Kochanski ergab, besser sei als die Version für Solostimme. Tatsächlich ist die Transkription für Violine weit schöner und ausdrucksvoller als die ursprünglichen Vokalisen, die heute praktisch in Vergessenheit geraten sind.