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Herbstkonzert 2016

Sonntag, 30. Oktober 2016, 17 Uhr, Kirche Blumenstein
Das Herbstkonzert führt vokale und instrumentale Musik zusammen. Lassen Sie sich in einen Abend voller abwechslungsreicher Geschichten entführen.

Programm

Gustav Mahler (1860 - 1911)
Lieder eines fahrenden Gesellen
  1. Wenn mein Schatz Hochzeit macht
  2. Ging heut‘ morgen übers Feld
  3. Ich hab‘ ein glühend Messer
  4. Die zwei blauen Augen von meinem Schatz
György Kurtág (*1926)
Hommage à R. Sch. Op. 15d
  1. (merkwürdige Pirouetten des Kapellmeisters Johannes Kreisler)
  2. [E.: der begrenzte Kreis…]
  3. […und wieder zuckt es schmerzlich F. um die Lippen…]
  4. [Felhö valék
  5. már süt a nap...]
  6. In der Nacht
  7. Abschied [Meister Raro entdeckt Guillaume de Machaut]
Louis Spohr (1784 - 1859)
Sechs deutsche Lieder, Op. 103 (Auszug)
  1. Sei still mein Herz
  2. Zwiegesang
  3. Das heimliche Lied
  4. Wach Auf!
Alexander Zemlinsky (1871 - 1942)
Sechs Gesänge nach Gedichten von M. Maeterlinck, Op. 13
  1. Die drei Schwestern
  2. Die Mädchen mit den verbundenen Augen
  3. Lied der Jungfrau
  4. Als ihr Geliebter schied
  5. Und kehrt er einst heim
  6. Sie kam zum Schloss gegangen
Johannes Brahms (1833 – 1897)
Zwei Gesänge Op. 91
  1. gestillte Sehnsucht
  2. Geistliches Wiegenlied
Robert Schumann (1810 – 1856)
Märchenerzählungen, Op. 132
  1. Lebhaft
  2. nicht zu schnell
  3. Lebhaft und sehr markiert
  4. Ruhiges Tempo
  5. mit zartem Ausdruck
  6. Lebhaft
  7. sehr markiert

Gustav Mahler Lieder eines fahrenden Gesellen
Während seiner Tätigkeit als Chorleiter und Kapellmeister in Kassel,  lernte Gustav Mahler die Sopranistin Johanna Richter kennen. Mahler verliebte sich in die junge Sängerin, da Johanna aber seine Liebe nicht erwiderte, scheiterte die Beziehung. Aus dieser Situation heraus schuf Mahler in der Zeit von 1884 bis 1885 die Lieder eines fahrenden Gesellen, in denen er 4 Gedichte vertonte, die er für seine Geliebte verfasst hatte. Am 1. Januar schreibt er an seinen Jugendfreund Friedrich Löhr: „Ich habe einen Zyklus Lieder geschrieben […]. Die Lieder sind so zusammengedacht, als ob ein fahrender Gesell, der sein Schicksal gehabt, nun in die Welt hinauszieht und vor sich hin wandert. […] Ich möchte jeden Blutstropfen für sie hingeben. Aber ich weiss doch, dass ich fort muss.“

György Kurtág Hommage à R. Sch. Op.15d
In seiner Hommage à Robert Schumann lehnte sich György Kurtág an die Besetzung von Schumanns Märchenerzählungen und im Inhalt an dessen Klaviermusik, in der das dreifache Alter Ego des Komponisten sein Unwesen treibt: der taktkräftige Florestan, der Träumerische Eusebius und der besonnene Meister Raro.

Hartmut Lück beschreibt in diesen Stücken eine Doppel-Hommage, die für die vorliegende Programmation von besonderem Interesse ist: „Die Hommage à R. Sch. ist in ihrer Abfolge von fünf kurzen Sätzen und einem sehr langen letzten Satz, auch noch mit der Überschrift „Abschied“, ein neues Lied von der Erde. Die nach Kurtágs Worten erst später einsetzende innige Beschäftigung mit Mahler scheint hier doch schon ihre Schatten vorausgeworfen zu haben […]. Ähnlich wie Mahler versucht er den Tod zu überlisten, indem er ihn ästhetisch bannt. Wo Mahler am Ende des in seinem Zeitgefühl fast stehenbleibenden sechsten Satzes des Liedes von der Erde die Worte singen lässt „Und ewig blauen licht die Fernen – ewig – ewig“, ein Hinüberschlafen ins „Drüben“, da lässt Kurtág den Klarinettisten sein Instrument weglegen und die im Pianissimo verhallenden Klavierklänge hinein einen gerade eben noch hörbaren Schlag auf die nur hierfür zur Anwendung kommende grosse Trommel tun. Es ist der letzte Herzschlag.“

Louis Spohr Sechs deutsche Lieder Op.103
Louis Spohrs Vorliebe für seltene Besetzungen und seine Lust am Experiment wird in der Instrumentalmusik, Oktett, Nonett und der Symphonie für zwei Orchester sichtbar, aber auch in der Gattung Lied ist diese spürbar und sie veranlasst ihn immer wieder zu neuen Versuchen. Die Lieder Op.154 für Klavier und Violinbegleitung oder Goethes Erlkönig mit einer Begleitung von zwei Violinen und Klavier zeugen davon.

1809 lernte Spohr Johann Simon Hermstedt, einer der bedeutendsten Klarinettisten seiner Zeit kennen. Über die Entstehung der Lieder Op. 103 schreibt er in seiner Selbstbiographie: „[Ich bekam] einen Brief von Hermstedt, worin er im Auftrag der Fürstin von Sondershausen mich aufforderte, Lieder für eine Sopranstimme mit Clavier und Clarinett-Begleitung für dieselbe zu schreiben. Da mir diese Arbeit sehr zusagte, so componierte ich im Verlauf einiger Wochen sechs Lieder dieser Gattung.“

Alexander Zemlinsky Sechs Gesänge nach Gedichten von M. Maeterlinck Op.13
Aus dem riesigen Repertoire postwagnerscher Lieder wurden nur die von Richard Strauss sofort populär. Für Antony Beaumont steht fest: „Hätte Zemlinsky dessen Talent zur Eigenwerbung gehabt, hätten seine Lieder mindestens genauso hoch eingeschätzt werden können“. Doch die meisten entschwanden schon innerhalb weniger Jahre nach ihrer Publikation aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. Zemlinsky fand in der neuen österreichisch-deutschen und skandinavischen Lyrik, welche Hofmannsthal als „Anatomie des eigenen Seelenlebens“ verstand, ein ideales Vehikel, um seine persönliche Gefühlswelt zu durchdringen und zu beleuchten.

Einer der wichtigsten Vertreter des Symbolismus war wohl der Dichter und Theaterautor Maurice Maeterlinck. Seine Werke haben zahlreiche Komponisten inspiriert, u.a. Debussy, Dukas und Fauré. Die 1910 und 1913 komponierten Maeterlinck Gesänge sind wohl die einzigen Lieder Zemlinskys, die bislang einem grösseren Kreis bekannt sind und die einzigen Werke, die auch in den fünfzig Jahren, da es still um Zemlinsky wurde noch gelegentlich aufgeführt wurden.

Johannes Brahms Zwei Gesänge Op. 91
Im Bereich des Liedes mit obligatem Instrument zählen zu Brahms Vorgänger Franz Schubert, und der oben schon erwähnte Louis Spohr. Die Gesänge Op. 91 schrieb Brahms, als der Sohn des berühmten Geigers Joseph Joachim, ein enger Freund von Brahms, geboren wurde. Joachim, der in seiner Jugend Bratschist war, hatte die Sängerin Amalie Weiss geheiratet, die eine warme Altstimme besass. Brahms nutzte die Geburt des Kindes als Gelegenheit, die beiden „Altstimmen“ (Bratsche und Gesang) zu vereinen.

Im zweiten Gesang vertont er ein Gedicht des Spanischen Dichters Lope Vega. Die Bratsche setzt zuerst ein, um ohne Worte die weiche Melodie des frühen katholischen Lobgesangs „Joseph, lieber Joseph mein“ zu verkörpern. Diese Melodie der Bratsche wird schliesslich als Zwischenspiel zwischen den vier Strophen wiederholt. Für Brigitte François-Sappey sind die Gesänge Op. 91 „die ideale Verschmelzung eines Chorals, eines Volkslieds und eines Kunstlieds, wie Brahms sie erstrebte.“

Robert Schumann Märchenerzählungen Op.132
Beim Ehepaar Schumann stellte sich der zwanzig jährige Brahms, angekündigt von Roberts ehemaligem Schüler Albert Dietrich und Joseph Joachim vor. Dieses Dreigestirn junger Musiker beflügelte Schumann zu einem Schaffensrausch. In nur 3 Tagen waren die „Märchenerzählungen“ vollendet. Schumann knüpfte mit den „Märchenerzählungen“ Op. 132 an die 1851 entstandenen „Märchenbilder“ Op. 113 an, fügte aber dem Duo aus Viola und Klavier noch eine Klarinette hinzu. Die vier Stücke bezeugen Schumanns Vorliebe für das Bildhafte und das Phantastische, obwohl wie bei den Märchenbildern keinerlei Hinweise bezüglich des Inhalts vorliegen. Kurze Zeit später stürzte sich der Komponist in geistiger Verwirrung von der Düsseldorfer Rheinbrücke. Es folgte die Einweisung in die Nervenheilanstalt, die er bis zu seinem Tod zweieinhalb Jahre später nicht mehr verliess