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Frühlingskonzert 2017

Sonntag, 07. Mai 2017, 17 Uhr, Kirche Blumenstein

Programm

Claude Debussy (1862 - 1918)
Klaviertrio in G-Dur
  1. Andantino con moto allegro
  2. Scherzo. Moderato con allegro
  3. Andante espressivo
  4. Finale. Appassionato
César Franck (1822 - 1890)
Sonate für Cello und Klavier in A-Dur, M8
  1. Allegretto ben moderato
  2. Allegro
  3. Recitativo. Fantasia
  4. Allegretto poco mosso
Pyotr Ilyich Tchaikovsky (1840 - 1893)
Klaviertrio in a-Moll, Op. 50
  1. Pezzo elegiac. Moderato assai
  2. Tema con variazione. Andante con moto
  3. Variazioni Finale e coda. Allegretto risoluto e con fuoco

Es ist auf den ersten Blick vielleicht nicht einfach, eine Verbindung zwischen dem Trio von Debussy und dem Trio von Tschaikowsky zu finden, zwei Werken, die sich durch zahlreiche Elemente voneinander unterscheiden, obschon sie im Abstand von nur zwei Jahren entstanden. Und doch gibt es diese Verbindung. So erfahren wir aus dem Briefwechsel zwischen Nadejda von Meck und Tschaikowsky, dass Debussy sein Klaviertrio in Fiesole, Italien schrieb. Von Meck, die reiche Witwe eines russischen Industriellen und jahrelange Gönnerin von Tschaikowsky, hatte den damals 18-jährigen Debussy in ihre Dienste genommen, um die Familie auf ihrer Reise nach Interlaken, Arcachon und Florenz musikalisch zu begleiten. In Italien gesellten sich ein Violinist und ein Cellist zur Familie, beide aus dem Umfeld Tschaikowskys. Sie bildeten zusammen mit Debussy ein Trio, das täglich für Frau von Meck und ihre Gäste spielte. Zweifellos hat Debussy sein G-Dur-Klaviertrio für einen dieser Anlässe geschrieben.
Dieses reizvolle Werk, das lange unveröffentlicht blieb – es erschien zum ersten Mal 1982 –, vermittelt eine Vorstellung von der Persönlichkeit jenes 18-jährigen jungen Mannes, in der sich jugendlicher Schwung, Frische und Naivität verbinden, die jedoch auch von einer gewissen Auflehnung gegen die festgelegten formalen Schemen geprägt ist, ein Charakterzug, der den Komponisten bis ans Lebensende begleiten wird. 

Offenbar wurde Tschaikowsky von Nadejda von Meck gedrängt, ein Klaviertrio für das Ensemble zu schreiben, das Debussy mit seinen Kollegen bildete. Er lehnte jedoch ab und begründete dies damit, dass er «die Verbindung von Klavier, Geige und Cello nicht vertrage». Er schrieb an von Meck: «Mir scheint, dass diese Klangfarben nicht miteinander harmonieren. [ …] Deshalb könnte ich für diese Klangkombination keine von echtem Gefühl beseelte Komposition schreiben.» Als zwei Jahre später sein Freund und Mentor Nikolai Rubinstein an Tuberkulose starb, beschloss Tschaikowsky, Rubinstein mit einem gross angelegten Kammermusikwerk zu ehren. Dies war die Gelegenheit, seine merkwürdige Abneigung gegen die Verbindung der Klangfarben des Klaviers mit denen der beiden Streichinstrumente zu überwinden. In einem Brief an von Meck heisst es: «Und jetzt habe ich mich plötzlich trotz dieser Abneigung entschlossen, mich in dieser bisher von mir gemiedenen Musikgattung zu versuchen. Den Anfang des Trios habe ich schon niedergeschrieben.» Das Werk mit der Widmung «An einen grossen Künstler» wurde eines seiner beliebtesten Werke und leitete eine Wende in seiner Karriere ein.

César Franck war eine der wichtigsten Figuren im französischen Musikleben der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es ist also nicht weiter erstaunlich, dass Debussy in den 1880er-Jahren Kurse in seiner Orgelklasse am Pariser Konservatorium belegte. Doch wie Debussys Biograph Léon Valls berichtet, war dieser »zu frei, zu unabhängig und zu undiszipliniert, um lange in einer Klasse zu bleiben, deren musikalische Qualität ihn zwar anzog, der er jedoch aufgrund der vom Meister auferlegten unablässigen Modulationen schon rasch wieder den Rücken kehrte.» Francks Streichquartett und Klavierquintett scheinen Debussy jedoch geprägt zu haben und inspirierten ihn zu seinem eigenen Streichquartett, das wir beim Sommerkonzert hören werden. Die Violinsonate, unbestreitbar eines der Meisterwerke der französischen Kammermusik, gehört zu den grössten Erfolgen von César Franck. Eugène Ysaÿe, Widmungsträger der Sonate, beschreibt sie als «ein ganz und gar neuartiges Werk». Laut Pablo Casals soll als Alternative zur Version für Violine eine handschriftliche Version für Cello aus der Hand des Komponisten existiert haben. Veröffentlicht wurde jedoch eine vom Komponisten genehmigte Bearbeitung des Cellisten Jules Delsart. v